Internet auf dem Campingplatz ist oft eine Geduldsprobe — und Mobilfunk endet dort, wo es schön wird. Wer dauerhaft unterwegs arbeiten will, braucht eine verlässliche Lösung. Genau darum ging es im Vortrag „Mobiles Internet — Starlink, LEO und Co." auf der Selbstausbau-Academy-Bühne der Adventure Northside 2026: German Höffner von LinkGear hat gezeigt, wie Satelliten-Internet im Camper heute funktioniert — von der Wahl des Terminals über die Dachmontage bis zu Tarifen und Stromversorgung.

👉 Den kompletten Vortrag als Video ansehen

Warum Starlink? LEO statt GEO

Satelliten-Internet gab es schon in den 90ern — aber damals hingen die Satelliten auf 36.000 km Höhe (geostationär), mit entsprechend trägen Antwortzeiten von rund 600 ms. Starlink fliegt auf nur ca. 550 km (LEO, Low Earth Orbit): Die Latenz sinkt auf 20–60 ms — Video-Calls und echtes Arbeiten werden damit möglich. Über 11.000 aktive Starlink-Satelliten sorgen inzwischen für eine breite Abdeckung, auch in Regionen ohne Mobilfunk.

Welcher Starlink-Terminal passt?

Vier Geräte stehen zur Wahl — und die „perfekte Antenne" gibt es nicht, denn Preis, Antennengröße und Stromverbrauch ziehen an drei verschiedenen Enden:

  • Starlink Mini: 30–100 Mbit/s, max. 60 W (Leerlauf ca. 40 W) — klein, sparsam, ideal für den Einstieg und kleine Fahrzeuge.
  • Starlink Standard (3. Generation): 100–400 Mbit/s, max. 220 W (Leerlauf ca. 60 W) — der Allrounder für die meisten Camper.
  • Standard mit Motor (2. Generation): 50–200 Mbit/s, max. 120 W — richtet sich selbst aus, braucht aber keinen festen Platz mehr zu suchen.
  • Flat High Performance: 200–1000 Mbit/s, max. 320 W (Leerlauf ca. 110 W) — die Profi-Lösung für dauerhaftes Arbeiten, auch während der Fahrt.

Wichtig für Selbstausbauer: Größere Antennenfläche bedeutet weniger Störanfälligkeit durch Verschattung — dafür mehr Platzbedarf und höheren Verbrauch. Ehrlicher konnte das kaum jemand zusammenfassen.

Fest ans Dach: Der Flat Mount

Damit die Antenne dauerhaft aufs Dach kann, hat LinkGear eigene Flat-Mount-Rahmen entwickelt: Gehäuse aus PE1000 (schlagzäh, UV-beständig, aus einem Block gefräst) mit praktisch unzerbrechlichem Polycarbonat-Topsheet. Für die 2. und 3. Generation (Heavy Duty) vorproduziert und in Schwarz und Weiß lieferbar. So wird aus dem Camping-Terminal eine fest installierte Dachantenne.

Strom direkt aus der Bordbatterie

Der vielleicht wichtigste Punkt für den Ausbau: Das 230-V-Netzteil kann entfallen. Über den Doppel-PoE-Konverter (220 W) wird Starlink direkt aus dem 12/24-V-Bordnetz versorgt — effizienter und ohne Inverter-Verluste. Für die Starlink Mini gibt es einen kompakten Boost-Converter (12 → 48 V). Als Router im Fahrzeug arbeitet dabei zum Beispiel ein GL.iNet AXT1800.

Router und eSIM: Starlink ist nicht allein

Die stärkste Lösung ist ein Verbund: Router wie der Selfsat MWR 5550/5560 mit eSIM bündeln Campingplatz-WLAN, Mobilfunk (4G/5G) und Starlink in einem System — mit bis zu sechs eSIM-Profilen als Fallback, wenn die Satellitenverbindung mal fehlt oder das Datenvolumen aufgebraucht ist. In der Weboberfläche lassen sich die Quellen jederzeit im Blick behalten und umschalten.

Was kostet der Betrieb?

Die Starlink-Reisetarife sind monatlich buchbar — man zahlt nur, wenn man unterwegs ist:

  • Reise 100 GB: 45 €/Monat — der empfohlene Einstieg, Upgrade jederzeit möglich
  • Reise Unbegrenzt: 95 €/Monat
  • Pausieren: 10 €/Monat
  • Stornieren: gratis

Der Praxis-Tipp aus dem Vortrag: Bei längerer Nichtnutzung lieber stornieren statt pausieren — das kostet gar nichts, und die Wiederaktivierung ist unkompliziert.

Video ansehen — und live dabei sein

Der komplette Vortrag mit allen Folien und Details ist jetzt in der Video-Bibliothek verfügbar:

👉 „Mobiles Internet — Starlink, LEO und Co." als Video ansehen

Und weil Theorie am besten mit Praxis zusammengeht: In der Story „Zirkuswagen TGM" bauen wir genau diese Lösung gerade selbst ein — Staffel 3 „Internet immer und überall" dokumentiert Schritt für Schritt Konzept, Prototyp-Test, Verkabelung, Aktivierung und Inbetriebnahme. Dort siehst du auch, welche Stolpersteine im echten Einbau warten.

📋 Die passende Praxis-Checkliste zum Abhaken — von der Antennen-Wahl über Dachdurchführung und PoE-Versorgung bis zur Aktivierung, mit Material- und Werkzeug-Links (LinkGear & Amazon).